#webseidank #Blogparade – Was das Netz mir Gutes gebracht hat

Ohne das WWW hätte ich nicht diesen Job. Ohne Internet würde ich nicht die vielen Menschen kennen, die ich im Netz kennen gelernt habe. Als ich über meine Berufswahl nachdachte, hatte ich keine Ahnung, dass ich mal durch und durch digitalisiert bin.

Seit fast 20 Jahren bin ich nun schon beruflich mit dem Internet verbunden, denke manchmal an die Zeiten von Modem und AOL zurück und freue mich darüber, wie die Entwicklung voran gegangen ist und wir alle ständig dazu lernen dürfen.
Heute ist man ja auch nicht mehr der Außenseiter, der „irgendwas in diesem Internet“ macht, wahrscheinlich Websites programmieren, was sonst. Das Internet gehört zum Leben.

Web 2.0 schafft Nähe

10 Jahre ist es bereits her, dass wir über den Begriff Web 2.0 geredet haben, dass es echte Communities gibt, obwohl ich Newsrooms seinerzeit auch schon als Austausch empfand, denn es gab auch da schon Foren für alles und jeden.
Ich habe ungefähr 2006 mit dem Bloggen angefangen. Mein erstes Blog „Der alltägliche Wahnsinn“ hat mir Spaß gemacht, es waren Geschichten und Erlebtes von mir. In der Zeit habe ich einige Blogger kennen gelernt. Man hat sich darüber gefreut, dass die Blogroll wächst, sich gegenseitig Stöckchen zugeschmissen und das Leben der anderen mitbekommen. So sind damals erste Freundschaften zu Menschen entstanden, die ich niemals auf anderem Weg kennen gelernt hätte. In diesem Jahr bin ich vom Online-Marketing zum Community-Management gewechselt

Twitter und Facebook

Community Manager gab es zu der Zeit nicht viele. Auf der Suche nach Gleichgesinnten, habe ich als erste Linda Konter kennen gelernt, die Community Managerin bei Unicum war. Wir sollten einige Jahre später Kolleginnen werden, was wir damals nicht ahnen konnten. Zum Glück gibt es das Web. 🙂
Twitter war das soziale Netzwerk was ich bereits vor Facebook genutzt habe, zu Facebook kam ich erst 2009.
Die ersten Facebooker mit denen ich mich befreundet habe, waren Freunde, die ich Anfang der 90er Jahre in Neuseeland sucht habe und zu denen ich komplett den Kontakt verloren habe. So findet man sich wieder und das viele Jahre später und tausende von Meilen voneinander entfernt und bis heute virtuell in Kontakt.

Communities, Barcamps und Digiheads

Durch den Job, habe ich mehr Community Manager kennen gelernt. Das war die Geburt des BVCM. Danke vielmals bis heute an die Gründungsmitglieder: Tom Nöding, Marc Ralea, Silke Schippmann, Daniel Langwasser und Linda Konter.
Auf einmal bekamen die Internet-Menschen Gesichter. Wir trafen uns, tauschten uns aus und hatten Spaß. Besonders das Community Camp in Berlin wurde zum Ort der Begegnung, zum Klassentreffen. Bis heute.
In den vielen folgenden Jahren habe ich zahlreiche Barcamps und die Republica erlebt und dabei ganz viele Menschen kennen gelernt. Es sind Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte.
Was mir besonders am Herzen liegt, ist immer noch das von Sandra Schink initiierte Projekt „Digiheads“ . So viel Spaß, so tolle Menschen und für mich so nachhaltig, ich bin sicher, daraus wird noch mehr.

In Freud und Leid

Wir alle wissen, dass es  auch die Kehrseite der Medaille gibt. Besonders wenn man als Community Manager tätig. Irgendwann kommt vermutlich jeder in diesem Job an den Punkt, an dem man nicht mehr neutral sein kann.
Wenn die Haut dünn wird, wird man angreifbar, Gedanken, die sich in den Kopf schieben, die Dich selbst erschrecken. Denn keiner ist ständig stabil und ausgeglichen. Wenn dann der Frust und die Grübelei nicht mehr aufhört, wenn Dein Job Dein Leben bestimmt, dann wird es Zeit….
So ging es mir eines Tages auch, ich bin eine Weile ausgestiegen und habe dann beschlossen diesen Job zu kündigen. Die beste Entscheidung, die ich machen konnte. Ich habe dann als Social Media Consultant zusammen mit Linda bei der Douglas Holding gearbeitet, eine großartige Zeit.

Bis heute arbeite nicht mehr am „offenen Community-Herzen“ und bin froh darüber. Dennoch hilft genau dieser harte Weg zu verstehen, wie Communtiies ticken und nur so kannst Du auch das Thema Social Media behandeln. Ohne die Praxis bleibt es eben immer nur Theorie.

Zeigst du wirklich, wie Du bist?

Es passiert aber heute noch, dass mich Ereignisse mitnehmen, betroffen machen, die mich mitleiden lassen. Denn je enger man vernetzt ist, umso mehr bekommt man mit, was die Menschen im eigenen Netzwerk tun, wie sie denken und ticken, velleicht nur ansatzweise. Wie echt das ist, wissen wir nicht voneinander.

Gerade in den letzten Tagen habe ich erlebt, wie eng meine Netzfreunde zusammenrücken, wie verständnisvoll und mitleidend man sich unterhält, miteinander chattet und einfach füreinander da ist. Danke an die, mit denen ich meine Gedanken teilen konnte. Die, die es lesen, wissen wer gemeint ist.

#webseidank – ohne das Web würden meine Gedanken viele Bücher füllen, die keiner lesen würde.

Dieser Beitrag entstand aufgrund der Initiative von Annette und Thomas von unserleben.digital 
Ich bin gerne dabei und freue mich auf spannende weitere Möglichkeiten, die das Web bietet.
In Erinnerung an Johannes Korten: „Das Netz ist ein guter Ort“ wenn man es gemeinsam dazu macht.  #webseidank

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Community-Camp Berlin #ccb14

Wie immer im Oktober fand auch in diesem Jahr wieder das beliebte Community Camp in Berlin statt. „Klassentreffen“, „Treffen mit Freunden“ und natürlich Erfahrungs- und Leidensaustausch. Neue Learnings und jede Menge netzwerken steht dabei im Vordergrund.

Am Freitag wurde das traditionelle Warm up im The Pub am Alex – Möpse trinken Bier zelebriert. Das Motto Blog´n´ Burger wurde im Vorfeld, während des Warum up und auch im Nachhinein schön bei Twitter begleitet. Es gab interessante Gespräche über coole Projekte, ein guter Einstieg für den nächsten Tag.

Frühstück

Frühstück beim Camp

Sessionplanung

Sessionplanung abgeschlossen – jetzt gehts los

Für mich fühlte es sich bereits am Samstag so voll wie noch nie. Entsprechend lange dauerte die Vorstellungsrunde bis es in die Sessionplanung ging. Dann ging es auch schon wieder los mit der Qual der Wahl: Welche Sessions nehme ich? Denn bekanntlicherweise sind ja immer die Sessions, die mich am meisten interessieren im gleichen Timeslot.

Recht, Recht, Recht und internes Community Management

Als erste Session habe ich also die von Thomas Schwenke gewählt: Recht, Recht, Recht. Erwartungsgemäß gut besucht, lohnt sich aber immer!

Lifecycle

Lifecycle bei Bosch

Wimmelbild

Wimmelbild in groß

Und statt der Session von Uli Gelsen (er möge mir verzeihen) bin ich direkt im Bosch Raum sitzen geblieben und habe mich über das spannende Projekt von Bosch „Internal Community Management“  informiert. Katharina Perschke und Kollegen haben anhand von überdimensionalen Wimmelbildern die Arbeit des Community-Managers visualisiert. Katharina ist für die Umsetzung der E20 Lösungen im Unternehmen zuständig. Bosch bildet daher interne Community Manager aus, die auch zertifiziert werden. Der Lifecycle dient dabei der Orientierung. Klassse!

Alexander Felsenberg hat als Thema „Corporate Change“ vorgestellt, auch diese Session war sehr gut besucht. Die Erkenntnis: In vielen Unternehmen herrscht die gleiche Problematik, denn die Arbeit und der Tätigkeitsbereich von Social Media Managern (und anderern Weltverbesserern)  wird oft nicht erkannt bzw. nicht ins Unternehmen integriert. Hier hilft nur ein Top-Down-Delegation.

Poppen.de sorgt für Lacher

Noch voller wurde es bei der Session von Poppen.de. Das Interesse an diesem Dating-Portal war groß, sei es wegen des Umgangs mit dem FSK18 oder des Community-Managements. Christian und Christoph haben geduldig Rede und Antwort gestanden. Der Jugendschutz ist vorbildlich und als Schmankerl wurde ein Jahr VIP Mitgliedschaft verlost.  Wer den besten Anmachtweet an @ schreibt konnte gewinnen.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Fanpagekarma uns auch in diesem Jahr wieder mit dem Community-Camp-Freunde-Buch versorgt hat. Inklusive dem superschweren Kreuzworträtsel. Richtige Einsender können 1×3 Monate die Fanpage Karma Business Version gewinnen! I love it!

Cat Content made by Humans

Fanpagekarma dieses Mal ohne Einhorn, aber mit Katze.

Auch Pixoona war am Start und hat uns allen mal wieder Freude bereitet, denn wir durften mit Bart oder Brille zeigen, was in uns steckt.

Am Samstag nach der letzten Session gab es lecker Essen und Trinken im Loft. Danke an die Sponsoren, die dafür gesorgt haben, dass wir es uns gut gehen lassen konnten. Wer immer noch nicht genug hatte, hat sich beim traditionellen Hechtsprung den Rest gegeben. Hier findet Ihr die Tweets dazu.

Bloody Sunday

Der Sonntag ist dann dank der samstäglichen Ereignisse in der Regel beschaulicher. Ich möchte mich aber ganz herzlich bei Stefan Evertz für die spannende Session über die Analyse/Monitoring-Tools bedanken.

Die Organisation war wie immer super und das Team  (Vivian, Frank, Oliver, Christian) dahinter hat es nicht immer leicht. Denn bei aller Freude und allem Happiness wundert es mich doch immer wieder, dass erwachsene Menschen nicht in der Lage sind:

1. Ihren eigenen Müll zu entsorgen
2. auch mal an andere denken und nicht doppelt und dreifache Portionen essen
3. einfach mal rücksichtsvoll sein
Das kann nicht oft genug gesagt werden.

Meine Erkenntnis: Tolle Sessions wie immer, tolle Leute, wie immer und auch wie immer: Ich habe viel zu viele Sessions verpasst, weil es viel zu viele spannende Themen gab. Also wie immer.

Herzlichen Dank an die Sponsoren: BVCM, Holiday-Check, Motor-Talk, Rossmann, Cimdata, Bionade, Mixxt, Likies, Bosch, gutefrage.net, Socialhub und viele andere.

Auf 2015 – ich freu mich jetzt schon.

Der BVCM traf sich am Wochenende in Berlin

Am letzten Wochenende trafen sich Mitglieder des BVCM.org in Berlin zur alljährlichen Hauptversammlung und dem dazugehörigen Workshop. Von den mittlerweile 178 Mitgliedern waren ca. 20 dabei um in Workshops das Berufsbild des Social Media Manager und des Community Manager zu fokussieren.

bvcm

Es ist bereits eine schöne und erfolgreiche Tradition, dass der BVCM mindestens jährlich zur Hauptversammlung einlädt. An dem Wochenende vom 25.4-27.4.2014 trafen wir uns in den Räumlichkeiten von Motor-Talk in Berlin um in angenehmer Atmosphäre einiges für die Verbandsarbeit zu tun.

Eines der mittelfristigen Ziele ist die Zertifizierung unserer Berufsbilder durch den Verband. Ben Ellermann 1. Vorsitzender betont die Wichtigkeit des BVCM und die steigende Nachfrage nach einer Zertifizierung für Social Media und Community Manager.
Wir haben uns in zwei Gruppen unterteilt, die folgende Aufgabe hatten.
  1. Erarbeitung einer Zertifizierungsvorlage die vom BVCM angeboten wird
  2. Erarbeitung von Stellenausschreibungen und Evaluierung der Berufsbilder „Social Media Manager“ und „Community Manager“
Dabei sollte auch das Berufsbild des Corporate Community Managers eine Rolle spielen, die wir jedoch nicht näher definiert haben.
Vorausgehend war die Aufgabenstellung, welche Kompetenzen benötigt werden um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Das warf direkt die nächste Frage auf: Wie sind die Anforderungen des Marktes?
Wir haben uns dazu zur Aufgabe gemacht, Stellenausschreibungen für das jeweilige Berufsbild zu formulieren, die auch den Personalverantwortlichen in den Unternehmen durch den Dschungel der vielfältigen Fähigkeiten führt.
Vivan Pein, die sich u.a. mit diesem Thema in der Vergangenheit auseinandergesetzt hat, hat dazu ein Kompetenzmodell entwickelt, dass Sie auch in ihrem Buch „Der Social Media Manager“ vorstellt.
Vorstand wurde erweitert
WIr haben beschlossen, den Vorstand um ein weiteres Mitglied zu erweitern. Stefan Evertz hat den PR-Part übernommen und bereits am Wochenende seine Ideen präsentiert.
Er wird sich u.a. um die Veröffentlichungen zu digitalen Themen kümmern. Dringend ist aus unserer Sicht auch die Überarbeitung unserer Website. Dazu werden wir einen Fachmann (oder Fachfrau) beauftragen.
Mein Fazit: Es war nicht nur schön, altbekannte und neue Menschen zu treffen und kennen zu lernen. Der Austausch ist immer wertvoller als jedes Seminar, dass man buchen kann.
Wir sind ein gutes Stück voran gekommen und freuen uns, dass wir unsere Ergebnisse schon bald präsentieren können.
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Berufsziel Social Media – Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren

061970457-berufsziel-social-mediaSocial Media ist das Buzzword der vergangenen Jahre, es wird viel geredet und geschrieben über die Menschen, die sich diesem Thema beruflich widmen. Nico LummaStefan Rippler und Branko Woischwill haben alle Fragen und Unsicherheiten, die der Beruf als Social Media Manager mit sich bringt, in einem Buch zusammengefasst. Die Antworten sind die von echten Praktikern. Eine Empfehlung für Anfänger und Profis.

Die Autoren haben sich auf folgende Schwerpunkte konzentriert:

  •  Welche Berufsbilder gibt es im Social Web?
  • Was macht ein Social Media Manager?
  • Wie viel kann man als Berufseinsteiger verdienen und wie entwickelt sich das Gehaltsgefüge?
  • Wie funktionieren Karrieren im Social Web?
  • Welche Branchen-Köpfe muss ich kennen?
  • Wo und wie kann ich mich aus-und weiterbilden lassen?
  • Welche Arbeitgeber sind für mich besonders spannend?
  • Welche Begriffe aus der Social Media Welt muss ich kennen und erklären können?

Was mir auf Anhieb gut gefällt, ist die Definition der unterschiedlichen Berufsbilder die der BVCM entwickelt hat. Die Unterschiede zwischen einem Community und einem Social Media Manager oder Consultant werden anschaulich dargestellt. Ganz wichtig für diejenigen, die sich für einen dieser Berufe entscheiden.

Eierlegende Wollmilchsau

Selbständig oder angestellt? Generalist oder Experte? Techniker oder Kommunikator? Service oder Strategie? Viele Fragen, viele Antworten. Das entspricht der Realität, denn ein scharf abgegrenztes Aufgabengebiet gibt es nicht. So führt der Social Media Manager Schulungen und Workshops durch, plant Maßnahmen und richtet seine Strategie an der Unternehmensstrategie aus. Er koordiniert das Community Mangement, muss ständig auf dem Laufenden bleiben und den strategischen Gedanken verinnerlicht haben. Der Community-Manager bewegt sich oft eher auf der operativen Ebene. Die Stellenbeschreibungen sind teilweise haarsträubend und man muss schon genau hinschauen, ob das Profil mit den Anforderungen zusammenpasst.

Experten kommen zu Wort

Gut finde ich, dass Experten aus dem Bereich Social Media und Communtiy-Management zu Wort kommen. Und das macht die Sache spannend, denn obwohl die Aufgaben teilweise sehr unterschiedlich sind, sind die Aussagen fast identisch. Eine echte Ausbildung gibt es nicht. Es zählen Empathie eine gewisse Stressresistenz, Eigenmotivation ein technisches Verständnis und die Beherrschung vieler Social Media Kanäle. Das bestätigen Leute wie Tobias Arns von BITKOM, Mirko Lange von talkabout, Katharina Borchert von Spiegel Online oder auch Mirko Kaminski, der es auf den Punkt bringt:  „Ohne Social Media Kompetenz wird in der Zukunft niemand mehr in der Kommunikation arbeiten können.“

Gut erläutert werden die Werkzeuge mit denen ein Social Media Manager arbeiten muss, vom Monitoring Tool bis zum Statistiktool. Denn Erfolg muss ja messbar sein, auch im digitalen Bereich.

 „Social Media kann doch eigentlich jeder“ – diese Aussage hat bestimmt jeder Social Media Manager in seiner Karriere schon gehört. Dass man mit ein bisschen twittern und chatten Geld verdienen kann, scheint vielen Menschen ominös. Heutzutage kann ja jeder mit den Social Media Kanälen jonglieren. So einfach ist das zum Glück nicht, auch das erklären die Autoren sehr plausibel.

Fachbegriffe und spannende Beispiele aus dem Web 2.0

Im Buch werden Fachbegriffe erklärt, Beispiele von Web 2.0 Kommunikation und Crowsourcing Projekte vorgestellt und Weiterbildungsangebote unter die Lupe genommen. Kampagnen, die aus dem Ruder liefen, Kommunikation als Herausforderung für Social Media Mitarbeiter. Die gelieferten Beispiele zeigen die Komplexität des Social Web und lassen den Leser auch einmal Schmunzeln.

Die Probleme sind ähnlich

Mir persönlich hat das Buch sehr „aus der Seele gesprochen“, denn die Aufgabenvielfalt, das zeitweise Kompetenzgerangel und die Unwissenheit über das Berufsbild sind manchmal schwierig zu erläutern. Man muss seine Position zuweilen hartnäckig behaupten und verteidigen. Unternehmen müssen umdenken.

Ich kann „Berufsziel Social Media“ jedem empfehlen, der sich für das Berufsbild interessiert, aber auch denen, die bereits knietief im Job stecken, ob als Community- oder Social-Media-Manager.

Nico Lumma, Stefan Rippler, Branko Woischwill: Berufsziel Social Media.
Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren. ISBN 978-3-658-01245-8. SpringerGabler 2013.

Vielen Dank an SpringerGabler für das Rezensionsexemplar. 

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Irgendwas mit Social Media… oder was machst Du?

Als ich vor sieben Jahren begann als Community Manager zu arbeiten, war der Job noch so neu wie das Web 2.0. So richtig wusste damals auch keiner wohin es sich entwickelt. Es gab bereits zahlreiche Communities wie XING, Stayfriends oder WKW. Die wurden selbstverständlich auch gemanaged, aber eher im Hintergrund. Das öffentlich Kommentieren war damals noch eher die Seltenheit. Mit der Umstellung von Portalen auf die Kommentierbarkeit von Beiträgen und Artikeln, wurde die Arbeit als Community Manager zur Herausforderung. Ich musste, wie alle anderen in diesem Job, mit Kritiken und Beschimpfungen leben. Aber auch mit ständigen Mails, Belästigungen und gut gemeinten Komplimenten, die man nicht haben möchte. Man steht auf einmal im Fokus und wird schnell vom „good guy“ zum „bad guy“. Das kennt jeder, der diesen Job macht bzw. einmal gemacht hat.

Vom Community Manager zum Social Media Experten

Auf einmal kamen die sozialen Netzwerke hinzu, allen voran natürlich Facebook. Schon war der Job des „Social Media Managers“ (wahlweise Consultant oder ähnliche Berufsbezeichnungen) geboren. Die vielseitigen Ausschreibungen zu diesem neuen Berufsbild lesen sich zum Teil haarsträubend. Das Hotel, dass einen Nachtportier sucht, der „nebenbei“ die sozialen Netzwerke betreut. Der Social Media Manager, der die Unternehmenswebsite nicht nur mit Inhalten versieht sondern auch programmiert. Der Social Media Guy der für die Akquise der eigenen Kunden zuständig ist und nebenbei Pressemitteilungen verfasst. Der Social Media Redakteur der neben der Beitragserfassung auch noch eine Facebook und Google + Fanpage baut und selbstverständlich 24/7 im Auge hat.
Wir vom BVCM haben sehr haarsträubende Stellenbeschreibungen gefunden. Eine Herausforderung für den Verband unserem Berufsbild eine klare Struktur zu verpassen.

Eierlegende Wollmilchsau

Selbstverständlich soll jeder Social Media Experte den ROI fürs Unternehmen errechnen und in mehr oder weniger komplizierten Darstellungen der Geschäftsführung so erklären, dass die glauben, jeder Invest ist lohnenswert und bringt das Unternehmen ganz weit nach vorne. Natürlich nicht nur finanziell sondern auch mit einer deutlich positiven Reputation. Ach ja – ganz nebenbei darf das böse Wort „Shitstorm“ niemals in Zusammenhang mit dem Unternehmen stehen. Und wenn.. na dann sorgt der „Social Media irgendwas“ schon dafür, dass alles gut wird.

Wer so viel Verantwortung zu tragen hat, der sollte doch entsprechend im Unternehmen angesiedelt und beachtet sein. Das ist sicher hier und da der Fall, aber oft genug sind die Widerstände gegen „Social Media“ intern bereits so groß, dass man entweder als Exot, Nerd oder Klugscheißer gilt. Schlechtestenfalls  sogar in der Kombi zusammen. Wenn man dann noch in die internen Arbeitsprozesse eingreifen möchte und die Begriffe „Collaboration“ oder „Change Management“ benutzt – spätestens dann wird brenzlig. Es braucht ganz viel Unterstützung und Verständnis, bis sich „Social Media“ in alle Unternehmensbereiche integriert hat und auch akzeptiert wird. Und vor allem Zeit…

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Reputation im Netz wird immer wichtiger

Jeder Onliner der in sozialen Netzwerken vertreten ist, wird sich zwangsläufig mit der eigenen Reputation auseinandersetzen. Es geht dabei um mehr als regelmäßig seinen Namen zu googeln um zufrieden festzustellen, dass nirgends Kritik geübt wird. Vielmehr müssen wir uns mit immer neuen Faktoren auseinandersetzen, die uns einen Platz im „Social Heaven“ einräumen.

Authorrank, Circle und Kloutscore 

Wie hoch ist Dein Kloutscore, in wie vielen Circlen steckst Du, wie vernetzt bist Du bei Linkedin, Xing oder Facebook? Sind Deine Twitter-Follower wertvoll? Wie aktiv bist Du bei Pinterest? Amen? Diaspora? FlickR? TumblR? Wie misst Du Deine persönlichen KPIs?

Was bringt mir das?

Genau das ist doch die zentrale Frage. Ist es wirklich wichtig, als Privatperson in allen Netzwerken aufzutauchen, oder dient die Besetzung der Profile lediglich der Eitelkeit? Ein Social Media Manager ist zwangsläufig sehr viel mehr vernetzt die meisten anderen Mitarbeiter. Und das ist gut so, denn wir tun das ja in erster Linie für unser Unternehmen. Trotzdem sind wir weder Roboter noch Erfüllungsgehilfen, die ein wenig „facebooken“.

Social Media Manager – was macht der eigentlich?

Wir stoßen Prozesse an, wir transportieren unsere Unternehmen in die Online-Welt, wir geben ein Gesicht – und das ist ganz oft unser eigenes.

Uns ist klar, dass es von Unternehmensseite sehr viel Vertrauen bedarf, denn lange Abstimmungsprozesse sind im Social Media Bereich kontraproduktiv. Schnelle Reaktion und bereichsübergreifende Kommunikation prägen das Berufsbild.  Hat sich ein Unternehmen erst einmal für die Besetzung einer solchen Stelle entschieden, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wie geht es weiter? Hier liegt oft das Problem. Wir ticken eben anders. Wir propagieren Transparenz, wir tauschen unser Wissen aus, wir führen zusammen und fordern zum  Mitmachen auf.

Welcher Social Media Mensch kennt nicht die Widerstände, die das nach sich zieht? Die ersten, die sich angegriffen fühlen sind of die Bereiche Marketing und/oder Unternehmenskommunikation. Denn sie glauben immer noch, das wäre ihr Job, wollen aber weder etwas mit Communities nichts zu tun haben, noch deren Kritik hören.

Denn die kritische Masse „da draussen“ glaubt den oft geschönten Worten nicht und tut dies öffentlich kund. Der Community Manager darf sich damit auseinandersetzen, der Social Media Manager legt den Finger in die Wunde, macht auf Missstände aufmerksam und zeigt auch gerne einmal auf, wo Abhilfe geschaffen werden kann. Wer ein Unternehmen gefunden hat, das offen dafür ist, der hat Glück.

Wir haben das immer so gemacht..

„Sorgen Sie dafür, dass wir gut da stehen, aber belästigen Sie uns nicht mit Umdenkungsprozessen“ – das ist eine kühne Behauptung trifft es aber in den meisten Fällen.

Warum sollte auf einmal alles anders sein? Weil die Welt sich verändert. Die Kunst ist es, diese Veränderung im Unternehmen zu installieren. Aufzuzeigen, dass es sich lohnt sein Wissen zu teilen den Kollegen zu vermitteln, wie das Social Web funktioniert, sie zu überzeugen das sie dadurch nur gewinnen können. Dazu bedarf es einer großen Unterstützung der Geschäftsführung und aller Abteilungsleiter!

Mach Dich zur Marke

Ich arbeite in einem Verlag mit vielen Redakteuren, die seit einigen Jahren zusätzlich fürs Web schreiben müssen. Und gerade die schreibenden Kollegen haben hier eine Riesenchance sich einen Namen im Web zu sichern. Such Dir Deine Nische, mach Dich zur Marke und Du wirst belohnt. Wer das verstanden hat, ist auf dem richtigen Weg.  Und wer Unterstützung braucht, fragt doch einfach seinen Social Media Manager – der hilft gern.

Mehr dazu wurde zum BarCamp6 geschrieben.