Des Nächtens texten: Communtiy-Management

Ich gehöre zu den Menschen, die manche Nächte einfach mal wach verbringen. Heute ist mal wieder so eine Nacht.  Statt mich hin- und her zu wälzen, meiner Grübeleien hinzugeben und wütend  zu werden, werde ich doch lieber kreativ und schreibe.

Es geht mich seit Tagen durch den Kopf: Was hat sich in der digitalen Kommunikation verändert und wie kann man es begreifen?

Der Ton macht die Musik, dieser Spruch birgt soviel Wahres und Mama hatte auch recht damit. Im Social Web ist der Ton verdammt schräg geworden. Es wird beleidigt, verhöhnt und regelrechte Hasstiraden ergießen sich über alles und jeden, der zu seiner Meinung steht. Dabei ist es unerheblich welche Meinung es ist, irgendwer ist schon mit einer Behauptung, einem Link zu wahrhafter Berichterstattung oder mit Infos aus seriösen Quellen, ranghohen, (aus Wirtschaft und Politik) guten Freunden (die nicht genannt werden wollen) und bestenfalls aus eigener Erfahrung, dabei.

Guter Community-Manager, schlechter Community Manager?

Diese Kommentare oder Beiträge neutral zu bewerten fällt nicht immer leicht. Ich will jetzt nicht wieder darüber lamentieren, wo Meinungsfreiheit aufhört und Verschwörungstheorien anfangen. Darüber gibt es reichlich zu lesen. Vielmehr ist mir wichtig, dass der Community Manager den richtigen Ton trifft. Soll er genauso schräg zurück argumentieren oder muss er immer nur sachlich und freundlich sein. Selbst wenn er als „Praktikant“ „Jungspund“ oder „Ahnungslose Aushilfskraft“ beschimpft wird. Das sind noch die harmlosen Bezeichnungen.

Ich habe meine eigene Meinung dazu

Sachlich schlägt Aggressiv, immer richtig. Argumente kann man mit Gegenargumenten in einer sachlichen Diskussion darlegen. Damit fährt man immer gut, das sollte erste Priorität haben.

Persönliche Beleidigung hinnehmen? Wer angegriffen wird, wehrt sich im ersten Reflex, das ist menschlich. Als Community Manager musst Du unter Umständen so einiges einstecken. Erlebt jeder, der diesen Job einmal gemacht hat. Hier unterscheide ich wieder zwischen:
Beleidigung im Social Web, z.B. bei Facebook: Wenn überhaupt, stecken nur die Initialen des Administrators hinter einem Kommentar, selten ein Gesicht. Somit die Beleidigung nicht persönlich zu nehmen. Wer kann sich aber davon freisprechen, dass er es nicht doch als Angriff auf seine Persönlichkeit nimmt? Selbst wenn der Kommentar da lautet: Ihr von xyz seid doch alle nur Marionetten, die von „ganz oben“ gesteuert werden. Ihr müsst das ja sagen, ihr Feiglinge (harmlos).

Beleidigungen in Foren oder auf eigenen Plattformen: Hier gehts oft ans eingemachte. Du zeigst Dein Gesicht und Deinen Namen, Du machst Dich natürlich auch unbeliebt, sobald Du bei brisanten Themen diskutierst oder moderierst.

„Ich habe doch lediglich gesagt, dass Herr abc ein dämliches Arschloch ist, das ist meine Meinung. Und Du zensierst das weg. Hat Dir wohl Dein Chef befohlen? Oder bist du so ein linker Gutmensch, der die Wahrheit nicht vertragen kann? Nutzt Deine armselige Macht hier aus um mir meine Meinung zu verbieten.“

Mh, jetzt sachlich bleiben, oder darf ich an dieser Stelle auch mal so richtig pampig werden, zumal dieser User schon immer gern gegen mich schießt und ich ihm gerne verbal eins verpassen möchtest?

Bleib cool

Es ist nicht einfach, denn wir alle sind Menschen, wir sind nicht immer in der gleichen Gefühlslage, haben unsere verwundbare Stelle und sind auch mal wütend, aggressiv und ungerecht.
Sachlichkeit schlägt Dummheit. So meine Erfahrung. Ich habe aber auch schon ganze Nächte wach gelegen und vor Wut geschäumt, weil mich ein dicker alter Mann einfach mal so beleidigt hat im Web. Und selbstverständlich hat er schnell Claqueure gefunden, die den gleichen Ton angeschlagen haben.
Und ja: Ich habe zurück geballert. Unsachlich, unreflektiert.
Das gehört dazu. Du bekommst selbstverständlich eine Woge von Hohn, Spott und Häme zurückgespült. Das kann selbst der dümmste User.

Einmal die Erfahrung gemacht, hast Du was für Deine weitere Karriere gelernt. 

In vielen Fällen lieber einmal durchatmen, einen Kollegen bei der Formulierung um Hilfe bitten und sachlich bleiben.

Oder Ignorieren und strategisch schweigen. Oder besser nicht alles hinterfragen oder lesen.
Ignorance is bliss.
In diesem Sinne. Gib Trollen eine Chance!

Der BVCM traf sich am Wochenende in Berlin

Am letzten Wochenende trafen sich Mitglieder des BVCM.org in Berlin zur alljährlichen Hauptversammlung und dem dazugehörigen Workshop. Von den mittlerweile 178 Mitgliedern waren ca. 20 dabei um in Workshops das Berufsbild des Social Media Manager und des Community Manager zu fokussieren.

bvcm

Es ist bereits eine schöne und erfolgreiche Tradition, dass der BVCM mindestens jährlich zur Hauptversammlung einlädt. An dem Wochenende vom 25.4-27.4.2014 trafen wir uns in den Räumlichkeiten von Motor-Talk in Berlin um in angenehmer Atmosphäre einiges für die Verbandsarbeit zu tun.

Eines der mittelfristigen Ziele ist die Zertifizierung unserer Berufsbilder durch den Verband. Ben Ellermann 1. Vorsitzender betont die Wichtigkeit des BVCM und die steigende Nachfrage nach einer Zertifizierung für Social Media und Community Manager.
Wir haben uns in zwei Gruppen unterteilt, die folgende Aufgabe hatten.
  1. Erarbeitung einer Zertifizierungsvorlage die vom BVCM angeboten wird
  2. Erarbeitung von Stellenausschreibungen und Evaluierung der Berufsbilder „Social Media Manager“ und „Community Manager“
Dabei sollte auch das Berufsbild des Corporate Community Managers eine Rolle spielen, die wir jedoch nicht näher definiert haben.
Vorausgehend war die Aufgabenstellung, welche Kompetenzen benötigt werden um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden. Das warf direkt die nächste Frage auf: Wie sind die Anforderungen des Marktes?
Wir haben uns dazu zur Aufgabe gemacht, Stellenausschreibungen für das jeweilige Berufsbild zu formulieren, die auch den Personalverantwortlichen in den Unternehmen durch den Dschungel der vielfältigen Fähigkeiten führt.
Vivan Pein, die sich u.a. mit diesem Thema in der Vergangenheit auseinandergesetzt hat, hat dazu ein Kompetenzmodell entwickelt, dass Sie auch in ihrem Buch „Der Social Media Manager“ vorstellt.
Vorstand wurde erweitert
WIr haben beschlossen, den Vorstand um ein weiteres Mitglied zu erweitern. Stefan Evertz hat den PR-Part übernommen und bereits am Wochenende seine Ideen präsentiert.
Er wird sich u.a. um die Veröffentlichungen zu digitalen Themen kümmern. Dringend ist aus unserer Sicht auch die Überarbeitung unserer Website. Dazu werden wir einen Fachmann (oder Fachfrau) beauftragen.
Mein Fazit: Es war nicht nur schön, altbekannte und neue Menschen zu treffen und kennen zu lernen. Der Austausch ist immer wertvoller als jedes Seminar, dass man buchen kann.
Wir sind ein gutes Stück voran gekommen und freuen uns, dass wir unsere Ergebnisse schon bald präsentieren können.
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Berufsziel Social Media – Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren

061970457-berufsziel-social-mediaSocial Media ist das Buzzword der vergangenen Jahre, es wird viel geredet und geschrieben über die Menschen, die sich diesem Thema beruflich widmen. Nico LummaStefan Rippler und Branko Woischwill haben alle Fragen und Unsicherheiten, die der Beruf als Social Media Manager mit sich bringt, in einem Buch zusammengefasst. Die Antworten sind die von echten Praktikern. Eine Empfehlung für Anfänger und Profis.

Die Autoren haben sich auf folgende Schwerpunkte konzentriert:

  •  Welche Berufsbilder gibt es im Social Web?
  • Was macht ein Social Media Manager?
  • Wie viel kann man als Berufseinsteiger verdienen und wie entwickelt sich das Gehaltsgefüge?
  • Wie funktionieren Karrieren im Social Web?
  • Welche Branchen-Köpfe muss ich kennen?
  • Wo und wie kann ich mich aus-und weiterbilden lassen?
  • Welche Arbeitgeber sind für mich besonders spannend?
  • Welche Begriffe aus der Social Media Welt muss ich kennen und erklären können?

Was mir auf Anhieb gut gefällt, ist die Definition der unterschiedlichen Berufsbilder die der BVCM entwickelt hat. Die Unterschiede zwischen einem Community und einem Social Media Manager oder Consultant werden anschaulich dargestellt. Ganz wichtig für diejenigen, die sich für einen dieser Berufe entscheiden.

Eierlegende Wollmilchsau

Selbständig oder angestellt? Generalist oder Experte? Techniker oder Kommunikator? Service oder Strategie? Viele Fragen, viele Antworten. Das entspricht der Realität, denn ein scharf abgegrenztes Aufgabengebiet gibt es nicht. So führt der Social Media Manager Schulungen und Workshops durch, plant Maßnahmen und richtet seine Strategie an der Unternehmensstrategie aus. Er koordiniert das Community Mangement, muss ständig auf dem Laufenden bleiben und den strategischen Gedanken verinnerlicht haben. Der Community-Manager bewegt sich oft eher auf der operativen Ebene. Die Stellenbeschreibungen sind teilweise haarsträubend und man muss schon genau hinschauen, ob das Profil mit den Anforderungen zusammenpasst.

Experten kommen zu Wort

Gut finde ich, dass Experten aus dem Bereich Social Media und Communtiy-Management zu Wort kommen. Und das macht die Sache spannend, denn obwohl die Aufgaben teilweise sehr unterschiedlich sind, sind die Aussagen fast identisch. Eine echte Ausbildung gibt es nicht. Es zählen Empathie eine gewisse Stressresistenz, Eigenmotivation ein technisches Verständnis und die Beherrschung vieler Social Media Kanäle. Das bestätigen Leute wie Tobias Arns von BITKOM, Mirko Lange von talkabout, Katharina Borchert von Spiegel Online oder auch Mirko Kaminski, der es auf den Punkt bringt:  „Ohne Social Media Kompetenz wird in der Zukunft niemand mehr in der Kommunikation arbeiten können.“

Gut erläutert werden die Werkzeuge mit denen ein Social Media Manager arbeiten muss, vom Monitoring Tool bis zum Statistiktool. Denn Erfolg muss ja messbar sein, auch im digitalen Bereich.

 „Social Media kann doch eigentlich jeder“ – diese Aussage hat bestimmt jeder Social Media Manager in seiner Karriere schon gehört. Dass man mit ein bisschen twittern und chatten Geld verdienen kann, scheint vielen Menschen ominös. Heutzutage kann ja jeder mit den Social Media Kanälen jonglieren. So einfach ist das zum Glück nicht, auch das erklären die Autoren sehr plausibel.

Fachbegriffe und spannende Beispiele aus dem Web 2.0

Im Buch werden Fachbegriffe erklärt, Beispiele von Web 2.0 Kommunikation und Crowsourcing Projekte vorgestellt und Weiterbildungsangebote unter die Lupe genommen. Kampagnen, die aus dem Ruder liefen, Kommunikation als Herausforderung für Social Media Mitarbeiter. Die gelieferten Beispiele zeigen die Komplexität des Social Web und lassen den Leser auch einmal Schmunzeln.

Die Probleme sind ähnlich

Mir persönlich hat das Buch sehr „aus der Seele gesprochen“, denn die Aufgabenvielfalt, das zeitweise Kompetenzgerangel und die Unwissenheit über das Berufsbild sind manchmal schwierig zu erläutern. Man muss seine Position zuweilen hartnäckig behaupten und verteidigen. Unternehmen müssen umdenken.

Ich kann „Berufsziel Social Media“ jedem empfehlen, der sich für das Berufsbild interessiert, aber auch denen, die bereits knietief im Job stecken, ob als Community- oder Social-Media-Manager.

Nico Lumma, Stefan Rippler, Branko Woischwill: Berufsziel Social Media.
Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren. ISBN 978-3-658-01245-8. SpringerGabler 2013.

Vielen Dank an SpringerGabler für das Rezensionsexemplar. 

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