Die Republica 2016 rpTEN in Berlin

RpTEN bedeutet 9 Jahre Republica. Und nie war sie so voll wie in diesem Jahr. Mehr als 8000 Besucher schoben sich 3 Tage lang durch die vielen Hallen der Station am Gleisdreieck in Berlin. Bei der Fülle der Sessions war es gar nicht so einfach, das geeignete Panel zu finden. Gefühlt ging es allen anderen ebenso und so stand man viel zu oft vor bereits vorher überfüllten Räumen, die alternative Session war oft ebenso besetzt. Glücklicherweise spielte das Wetter mit und im Innenhof zu netzwerken ist mindestens genauso spannend.

IMG_5519

Trotzdem schade, wenn die Tweets aus den Vorträgen vielversprechend klingen. #rpTen

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung war clever durchdacht: Selbstreflektion.
RpTEN – im Spiegel gelesen NET. Spiegel gab es reichlich. Spiegelnde Namens-Badges, Spiegelnde Ballons und ein Spionagespiegel im Cube auf dem Hof. Soviel zur Location, die einfach nur wie gemacht ist für dieses Mega-Event.

Jonny, Tanja und Markus sind die Gesichter der re:publica. Zur Eröffnung standen sie auf der Stage 1 und schienen selbst überwältigt von den vielen, vielen Menschen die dort saßen. 10 Jahre Re:publica – Wahnsinn… 

Von kleinen Gesprächen in der Networking Area, den Lightning Talks, bis hin zu ganz großem Kino auf der Stage 1 war alles dabei. Einer der absoluten Zugpferde ist Gunter Dücks, der in diesem Jahr mit seinem Cargo-Kult mal wieder den Finger in die Wunde und die Management Methoden der meisten Unternehmen Ad absurdum geführt hat. „Wenn Firmen etwas besonderes schlecht können, lassen Sie es auf Tassen drucken. Team Innovation! und so weiter..

Leider sind nicht die, die sich ertappt fühlen sollten anwesend. Die müssen ja regieren und haben für diesen Internet Quatsch keine Zeit.

Snapchat, VR und Hate Speech

Ganz großes Thema 2016: Hate Speech, Community Management, VR an jeder Ecke und vor allem Snapchat. Auf der letzten Republica noch als Teenager Netzwerk von den „alten Hasen“ belächelt, rannten sie in diesem Jahr zu jeder Session, die im Zeichen des Geistes stand. Angestrengt ins Smartphone starrend, drücken und wischen sie auf dem Display herum um dann verzweifelt zu fragen: „wer kann das denn jetzt sehen und wie lange?“ Tja, alles nicht so einfach in der Welt der Teenager. Die im übrigen genau das nicht wollen: Ü 30 bitte bei Facebook und Twitter bleiben.

Jedenfalls war Snapchat das Wort, dass ich am meisten gehört habe. Und meine Freundesliste hat sich mit all den Newbies verdoppelt. Ich habe mit Snapchat Experte Richard Gutjahr drüber geredet. Snapchat ist wie eine Daily Soap meint er, genauso empfinde ich auch. Das Leben der anderen, flüchtig gestreift für 1-10 Sekunden, sichtbar für max. 24 Stunden, vergänglich und verspielt. Hier gibt es eine Anleitung.

Wie geht ein Community Manager mit den Anfeindungen im Social Web um? Belastet ein Shitstorm? Nimmt man das mit nach Hause? Als BVCM Mitglied habe ich über dieses Thema sowohl mit dem NDR gesprochen als auch mit den Leuten von ZDF NEO, die sowohl eine Shitstorm- als auch eine Candystorm  Box aufgestellt haben und die Besucher nach ihren Gefühlen gefragt haben, wenn sie die Boxen verlassen haben. Wer den Berufswunsch Community Manager hat, dem empfehle ich die Shitstorm Box.

VR – die virtuelle Realität und Arbeit 4.0

Einmal über einen Vulkan fliegen, mitten im mittelalterlichen Indien sein oder auf der Super-Welle vor Tahiti surfen. Mit VR ist alles möglich. Da saßen wir also mit den Brillen im Gesicht, abgetaucht in andere Welten. Staunend, erschrocken oder einfach nur völlig selbstvergessen. Wer das noch nie probiert hat, sollte es mal tun.

vrbrille

Arbeit 4.0, künstliche Intelligenz und der Wandel in der Arbeitswelt waren gut besuchte Themen. Werden Roboter unsere Arbeit übernehmen? Und wenn ja, was können sie? Sind Büros noch zeitgemäß? Wer arbeitet noch 9 to 5? Worauf müssen Unternehmen sich einstellen? Bei Microsoft wird der Chef demokratisch gewählt und heißt Peoplemanager.  Und dabei zählen soft Skills wie Gerechtigkeit und Empathie. Vielleicht bald ein Ende der Amigo-Job-nach-Nase-Vergeber? Ich hoffe ich erlebe es noch.

Nicola Peschke:

Datenjournalismus, Algorithmen, Crowdsourcing, SEO, Social Buzz und viele Tools, mit denen sich Journalisten auseinander setzen sollten

Max  Bönke von der Berliner Morgenpost zeigte wie es geht. Aus vielen Gesprächen mit Journalisten der alten Schule weiß ich aber, dass man dafür „nicht auch noch Zeit hat“. Empörte Reaktionen, Ablehnung und nicht haltbare Argumente fördern das Unwohlsein. Wenn dann noch Instant Artikels von Facebook und AMP von Google ins Verlagsgeschäft eingreifen sinkt die Laune. Vielleicht sind es doch die Androiden, die den Journalismus der Zukunft einfach neu erfinden?

Ich glaube innerhalb der nächste 5 Jahre wird es radikale Änderungen geben und ein eisiger Wind in die Gesichter der Medienwandel-Verweigerer blasen. Wenn dann der bisherige Unterstützer einfach abgewählt wurde, sollte man seine Anti-Haltung noch einmal überdenken.

Contet-Marketing, Schleichwerbung, Fotorechte, Urheberrechte, Ethik vs. Reichweite  – was man alles wissen sollte. Hier rauchen Köpfe und prallen Meinungen aufeinander. Eine interessante Session: Die Macht der Bilder. Julian Reichelt zeigt teilweise erschütternde Fotos und es wird darüber diskutiert, wo die Grenze ist. Wie abgestumpft sind wir? Auch das macht nachdenklich

Input,Input, Input, dazwischen gute Gespräche, Whiskytasting und Freubier, Abendveranstaltungen mit Freunden, Sonne und verrückte Fotos.
Einfach mal abschalten, trotzdem weiter diskutieren, snapchatten, twittern und Fachgespräche führen. Wenn du digital bist, verschwimmen Freizeit und Job und keiner findet das schlimm. Beim Klassentreffen fühlen wir uns zuhause.

The Age of Trotzdem

Sascha Lobo redet zur Lage der Nation und hält einer flammende Rede, die er das „Age of Trotzdem“ nennt. Er fordert uns alle auf endlich zu handeln und den Optimismus zu behalten und zwar Trotzdem. Trotz dem!

Edward Snowden auf der Stage 5: Overcapacity – das las man ja leider öfter. Natürlich war er nicht live dort, aber live zugeschaltet aus Moskau, ich hatte leider keine Chance.

IMG_5617

Ruckzuck sind drei spannende Tage vorbei und wir sitzen wieder in der Stage 1 und staunen über diese Zahlen: 17 Bühnen, 400 Stunden Programm, 500 Sessions, 1000 Einreichungen davon 350 Programm. Ältester Speaker 73, jüngste Speakerin 11, 20.000 Leute im Live-Stream und jede Menge Social Buzz.

Jonny, Tanja und Markus halten ein begeistertes Abschluss Plädoyer für die RpTEN und haben bereits für Oktober 2016 eine rpDUB geplant. Die Klasse reist nach Irland und versucht das Format in Dublin zu etablieren. Ich wünsche viel Glück. Nach dem obligatorischen Abschlusssong Bohemien Rhapsodie ist man sich einig: im nächsten Mai sind wir hoffentlich alle wieder da.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurde noch ordentlich getanzt und gelacht. Trotzdem!

Advertisements

Die re:publica 2014 – mein Rückblick

Es war tatsächlich eine Premiere für mich. Ich war zum ersten Mal auf der re:publica, die vom 5.-8.Mai 2014 in Berlin stattfand. Wie erwartet habe ich viele Menschen getroffen die, genau wie ich, von digitalen Themen und Ideen getrieben werden. Mein Fazit: Klassentreffen, Austausch, Erfahrung, Netzwerken und jede Menge Input.

FotoViele, viele Speaker, mehr als 300 Vorträge, Tausende von Menschen. Ich gebe zu, mir hat der Kopf geraucht und ich musste mich erst einmal orientieren. Wenn man aber einmal im „Flow“ ist, geht alles wie von selbst. Die von mir favorisierten Vorträge und Sessions habe ich nicht alle besucht, dafür aber andere. Es gab willkommene Abwechslungen, z.B. durch tasteup, die mit mindestens zwei Whiskytastings die Hektik haben vergessen lassen.
Foto5 Da steht also die Whiskyfreunde auf dem „Affenfelsen“ und genießen herrlichen Single-Malt, den es hinterher zu bewerten galt. Ein echte Auszeit und auf den Gesichtern der Teilnehmer breitete sich eine wohliger Ausdruck aus, den man nur mit Whisky erreichen kann. Tolle Sache, wenn es auch nicht wirklich was mit der digitalen Masse zu tun hatte.

Steinstrategie – wer sich bewegt verliert.

Ganz besonders gut gefallen hat mir die Session von Holm Friebe, der seine „Stein-Strategie“ vorgestellt hat. Die Kunst, nicht zu handeln, so der Untertitel der Session. Er stellt sein Buch vor und redet vom „Imperativ des permanenten Wandels“. Als Beispiel nannte er eine Strategie von Kurt von Hammerstein-Equord, der seine Offiziere in vier Lager einteilte. Es gibt kluge, fleißige, dumme und faule Offiziere. Meist treffen zwei Eigenschaften zusammen.
Die einen sind klug und fleißig, die müssen in den Generalstab.
Die nächsten sind dumm und faul; sie machen in jeder Armee 90% aus und sind für Routineaufgaben geeignet.
Wer klug ist und gleichzeitig faul, qualifiziert sich für die höchsten Führungsaufgaben, denn er bringt die geistige Klarheit und die Nervenstärke für schwere Entscheidungen mit.
Hüten muss man sich vor dem, der gleichzeitig dumm und fleißig ist; dem darf man keine Verantwortung übertragen, denn er wird immer nur Unheil anrichten. Der Vergleich hinkt noch immer nicht.

Beckendahl, Lobo und „The Hoff“

Apropos nachdenken: Natürlich hat Markus Beckendahl zu recht darauf hingewiesen, dass wir achtsamer sein sollen. Nicht nur mit uns selbst, sondern natürlich auch mit unseren Daten, mit dem was wir von uns geben und was wir tun „Das Netz gehört uns!“ hat er gefordert, „lasst es uns zurück erobern“.

Und auch Sascha Lobo hat mit seiner „Ansprache an die Nation“ für einen vollen Saal auf der Stage 1 gesorgt. Mahnende Worte hat er gesprochen. Und vor allem hat er für den Bekanntheitsgrad der Bekassine gesorgt. Ob den Deutschen die Bekassine wichtiger ist, als die Netzneutralität wage ich zu bezweifeln. „Eure Eltern überweisen und ihr twittert“ – ein Weckruf an die dumpfen Konsumierer des Internets, die möglicherweise nicht über die Folgen nachdenken.

David Hasselhoff war bereits 1989 beim Mauerfall in Berlin. 25 Jahre später spricht er immer noch über Frieden, über Grenzen und über Freiheit und gesungen hat er auch, hab ich aber gar nicht mehr mitbekommen. Klar, der Mann ist Schauspieler, alles wirkte sehr einstudiert, aber er kam doch beeindruckend rüber.

NSA und der Ruf nach Freiheit für Snowden

Beeindruckt hat mich auch der Dialog zwischen Sarah Harrison und Alexa O´Brien. Die Wikileaks-Aktivisten saß im knielangen Rock mit weißer Bluse und wirkte so gar nicht wie eine, die nicht ganz unbeobachtet lebt. Sie spricht ganz gelassen und ist sehr konzentriert. Harrison berichtet darüber, wie Sie mit Snowden nach Moskau gereist ist. Auf die Frage, wohin er nach Ablauf seinen Asyls hingehen wird, hatte sie keine Antwort.. „Vielleicht nach Deutschland“. Ich denke keiner im Saal glaubt, dass es so sein wird.

Foto 1 Krieg und Feldmann, Social Media und Recht.

Wer denkt, dass Anwälte immer nur knochentrocken sind, kennt Thorsten Feldmann und Henning Krieg nicht. Die beiden haben die Bühne gerockt und auf humorvolle Art und Weise juristische Themen behandelt und Fragen beantwortet. Auch Kollege Thomas Schwenke war mit von der Partie und zeigte Humor.

Foto 3

 

Kreative Ideen oder ideenreiche Kreationen, die re:bulica 2014 war ein echter Push für mich. Ich kann gar nicht aufhören, darüber nachzudenken, was bereits alles möglich ist und noch möglich sein wird.